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Unternehmer: Umsatzsteuer im EU-Ausland, steuerliche Anmeldung in jedem Land?

Lesedauer: ∅ 2m 57s für 652 Wörter
Erstellung: 02.12.2018 (12:56)
Letzte Änderung: 02.12.2018 (13:47)

Hörensagen und die Realität


Kleine bis mittlere Versand-Unternehmer wurden aufgescheucht durch die Meldung der EU, dass nun sämtliche Umsätze, die in einem anderen EU-Land getätigt werden, mit der entsprechenden Umsatzsteuer belegt werden müssen und man sein Unternehmen in den betreffenden Ländern umsatzsteuerrechtlich anmelden müsste. Die EU besteht am 1. April 2019  aus 27 Ländern, somit müsste man in 26 davon sein Unternehmen zusätzlich umsatzsteuerrechtlich registrieren. Ist dem wirklich so? Natürlich nicht, abgesehen von diversen Ausnahmen (z.B. prinzipiell umsatzsteuerbefreite Unternehmen) lautet das magische Wort "Lieferschwelle".

 

Lieferschwelle


Grundsätzlich ist die Umsatzsteuer des Landes gültig, in das die Lieferung erfolgt. Dies betrifft Lieferungen an jeden Privatkunden in der EU außerhalb Deutschlands (für Geschäftskunden greift hier das Reverse-Charge-Verfahren; für digitale Güter/Leistungen gelten zudem nochmals andere Regelungen). Doch diese Grundsatzregelung greift erst, wenn eine bestimmte Lieferschwelle überschritten wird. Diese liegt allgemein bei 100.000 Euro im Jahr. Als wäre das nicht ausreichend, haben die Länder die Möglichkeit, diese Schwelle zu senken. Und - welch Überraschung - fast alle Länder haben diese Möglichkeit genutzt und die Lieferschwelle auf 35.000 Euro gesenkt. Die allgemeine Schwelle gilt für Deutschland (Lieferungen hierher), Luxemburg und den Niederlanden. Für die restlichen Euro-Länder gilt jeweils die niedrigere Schwelle; in den EU-Ländern mit Nicht-Euro-Währungen gelten "krumme" Summen. Am niedrigsten ist diese in Rumänien mit umgerechnet gut 26.000 €, am höchsten in Tschechien mit gut 42.000 € (wenn man mal von Großbritanniens 82.500 € absieht, da die Briten ja nicht mehr mitspielen wollen).

 

 

Keine Panik


Kleinere bis mittlere Versandunternehmen müssen sich also nicht sorgen und in Panik verfallen: Unterhalb der Lieferschwelle fällt die deutsche Umsatzsteuer an, die auch ans deutsche Finanzamt abgeführt werden muss. Alle Schwellen gelten übrigens für Nettobeträge - und genau diese sollte man einfach im Auge behalten und bei Bedarf entsprechend reagieren. Neuerdings darf man keine Privatkunden in der EU nur aufgrund ihrer Lieferadresse mehr ablehnen, man muss allerdings nicht dorthin versenden. Klingt seltsam, ist aber so: Wenn der Kunde den Versand selber organisieren möchte, sprich abholen lässt oder selbst vorbeikommen möchte, muss dies ermöglicht werden. Versteuert wird dann wieder ganz regulär in Deutschland.

 

Ach ja


Bei Lieferungen außerhalb der EU gilt weiterhin die Steuerfreiheit laut § 4 Nr. 1a in Verbindung mit § 6 des Umsatzsteuergesetzes.

 

Beispiele


Unternehmer "DE" (in Deutschland) verschickt regelmäßig Ware an Privatkunden "PL" in Polen. Der Artikel kostet im deutschen Onlineshop 119.-€ Dieser Artikel wird genau einmal pro Woche nach Polen verkauft und geliefert. In einem Jahr werden also 53 dieser Lieferungen durchgeführt. 53*100€ (netto) = 5.300 €. Die Steuer hierfür wird in Deutschland abgerechnet, eine Anmeldung in Polen ist nicht notwendig.
Der gleiche Artikel wird täglich nach Polen verkauft: 365*100€ (netto) = 36.500€. Die Lieferschwelle nach Polen beläuft sich auf 160.000 Zloty, was nach aktuellem Wechselkurs gut 37.000€ sind. Da hast du noch mal Glück gehabt: Die Steuerpflicht bleibt in Deutschland. Steigt der Netto-Umsatz über die gut 37.000€, müsstest du dein Unternehmen in Polen für die Umsatzsteuer registrieren und die Steuer dafür berechnen (23%, verteuert den Beispielartikel auf 123.-€) und natürlich auch nach Polen abführen (die übliche Bürokratie inklusive).

Das gleiche Spiel mit Privatkunden "AT" in Österreich: mit dem 36.500€-Nettoumsatz bist du bereits in Österreich umsatzsteuerpflichtig (20%; und zwar unverzüglich ab erreichen der 35.000€), musst dich dort steuerlich erfassen lassen und die Steuern auch dort abführen (Endpreise anpassen nicht vergessen). Dies gilt übrigens auch für das Folgejahr (ab der ersten Lieferung), selbst wenn du die Lieferschwelle diesmal nicht überschreiten wirst. Ist dies der Fall, ändert sich die Versteuerung erst wieder im auf das Folgejahr folgende Jahr: dann fängt alles wieder von vorn an.

Wer dies unbedingt möchte: Auf die Lieferschwelle kann verzichtet werden. Dann ist man sofort mit der ersten Lieferung im entsprechenden EU-Land steuerpflichtig - aber warum sollte man?

Im Zweifelsfall lässt man sich doch sowieso vom Fachmann beraten; der Steuerberater wäre so eine geeignete Person.
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